Von Bitcoin & Libra – Digitalisierung im Finanzsystem

erstellt am: 16.09.2019 | von: Friederike Delius | Kategorie(n): Blog, We Code It

Handy mit Bitcoin Wallet

Sie sind derzeit in aller Munde: Kryptowährungen. Spätestens seit dem rasanten Kursanstieg und darauffolgendem Hype des Bitcoins im Jahr 2017 oder der in diesem Jahr veröffentlichten Pläne von Facebook, eine eigene Digitalwährung Libra auf den Markt zu bringen, sollte jeder schon mal auf den Begriff der Kryptowährungen gestoßen sein. Doch wie funktionieren diese eigentlich? Und sieht so die Zukunft des Geldsystems aus? Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, werden wir im Folgenden die Entwicklung der Kryptowährungen skizzieren und Facebooks Finanzpläne genauer beleuchten.

Das System hinter Kryptowährungen: Die Blockchain

Während herkömmliche Währungen von Staaten oder Zentralbanken geschaffen werden und so der Kontrolle finanzieller Institutionen und Regierungen unterliegen, sind Kryptowährungen dezentral aufgebaut. Das System hinter Kryptowährungen basiert auf Peer-to-Peer: Transaktionen finden zwischen zwei Personen statt, ohne dass eine dritte Partei, wie zum Beispiel eine Bank, daran beteiligt ist. Die Peers sind in einem Netzwerk miteinander verbunden, über das alle Transaktionen abgewickelt werden. Geprüft und bestätigt werden diese Transaktionen durch sogenannte Miner. Diese berechnen mathematische Gleichungen und werden durch neu geschöpfte Coins der jeweiligen Kryptowährung entlohnt. Der Prozess des Minings dient also der Verifizierung von Transaktionen und der Schaffung neuer Coins. Die verschlüsselten Informationen über die Transaktionen der Mitglieder einer Kryptowährung werden in sogenannten Blocks gesammelt und die Summe aller Blocks bezeichnet man als Blockchain. Die Blockchain fungiert wie ein Kontenbuch von Transaktionen. Sie ist für jeden Peer im Netzwerk ersichtlich, vollständig unabhängig von staatlicher Regelung und nicht auf einem zentralen Server gespeichert.

So sind Kryptowährungen entstanden

Erstmals vorgestellt wurde der Bitcoin am 01.11.2008 von Satoshi Nakamoto. Bei diesem Namen handelt es sich um ein Pseudonym, es ist bis heute nicht geklärt, welche Person oder Gruppe hinter der Entstehung des Bitcoin steht. Durch die Finanzkrise 2008 hatten viele Menschen ihr Vertrauen in die großen Banken und ein zentralisiertes Geldsystem verloren. Dies ließ den Wunsch nach einem von Staaten und Banken unabhängigen Finanzsystem wachsen und legte den Grundstein für das Entstehen des Bitcoin. Das Versprechen hinter dem Bitcoin war also ein dezentrales Geldsystem, das durch niemanden kontrolliert wird.

Seit seiner Entstehung hat der Bitcoin Kurssprünge sowie Wertverluste durchlaufen. Ihren Höhepunkt erreichte die Kryptowährung im Jahr 2017, als 50 Bitcoin ca. 850.000$ wert waren. Aktuell haben bereits zahlreiche Unternehmen wie Microsoft, Greenpeace, Lieferando sowie verschiedene Airlines Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptiert.

Das zeichnet Kryptowährungen aus:

Hohe Volatilität 

Da Kryptowährungen nicht von Aufsichtsbehörden reguliert, sondern lediglich durch Angebot und Nachfrage am Markt gesteuert werden, weisen sie starke Schwankungen im Wert auf. Diese hohe Volatilität wird häufig als Risikofaktor für den Handel mit Bitcoin oder anderen Kryptowährungen gesehen.

Keine Inflation

Während klassisches Geld in beliebigen Mengen gedruckt werden kann, können Kryptowährungen nicht beliebig vermehrt werden und bieten so einen Schutz gegen Inflation. Die Obergrenze bei Bitcoin liegt bei maximal 21 Millionen Coins, die sich im Umlauf befinden können, und wird voraussichtlich 2040 erreicht. Wenn diese Grenze erreicht ist, werden die Miner durch Transaktionsgebühren anstatt der Schöpfung neuer Coins entlohnt.

Peer-to-Peer Transfer

Weiterhin ermöglichen Kryptowährungen einen schnelleren und kostengünstigeren Transfer von Werten, da keine dritte Instanz benötigt wird. Ebenso kennt das System keine Feiertage oder Sonntagsruhe, wie es sie bei herkömmlichen Banken gibt.

Mittlerweile sind über 4000 Kryptowährungen im Umlauf. Neben Bitcoin, der allerersten und beliebtesten, zählen Ethereum, Litecoin und Ripple zu den Bekanntesten.

Libra: Die künftige Kryptowährung von Facebook

Im Juni diesen Jahres stellte Facebook öffentlich seine Finanzpläne vor. Das Unternehmen um Mark Zuckerberg plant in der ersten Jahreshälfte 2020 seine eigene Kryptowährung Libra auf den Markt zu bringen. Für dieses Projekt hat Facebook die Libra Association gegründet, eine Allianz bestehend aus bisher 28 Mitgliedsunternehmen, darunter Visa, Mastercard, PayPal, Stripe, Uber, Spotify, Vodafone sowie Ebay, mit Hauptsitz in Genf.

Den Nutzerinnen und Nutzern von Libra sollen die Möglichkeit bekommen, die Währung in der Wallet Calibra aufzubewahren und sie über Facebook oder andere Seiten des Internets zu verschicken.

Ähnlich wie Bitcoin basiert auch Libra auf der Blockchain-Technologie, dennoch kann bei Libra nicht von Kryptowährung im eigentlichen Sinn die Rede sein, da die Währung nicht von den Nutzenden erstellt wird, sondern bei den Mitgliedsunternehmen der Libra Association erworben werden muss.

Um eine geringere Volatilität als bei anderen Kryptowährungen sicherzustellen, soll Libra ein StableCoin werden, also eine Währung, die nicht frei gehandelt wird wie Bitcoin oder Ethereum, sondern deren Preis an eine oder mehrere nationale Währungen gekoppelt ist.

Auch wenn Facebook verkündete, dass Libra nicht mit den nationalen Währungen der Länder konkurrieren und das Unternehmen keinen Zugriff auf Transaktionsdaten haben werde, gibt es bereits viele SkeptikerInnen und KritikerInnen des Projekts.

Deswegen wird Libra so kritisiert

Facebooks Pläne wurden von etlichen PolitikerInnen kritisiert, unter anderem äußerten Donald Trump, die G7-FinanzministerInnen und die Bundesregierung harsche Kritik an dem Projekt. Befürchtet wird, dass die Weltwährung von Facebook eine Schwächung der Zentralbanken bedeutet. Außerdem steht das Thema Datenschutz stark im Zentrum der Kritik. KritikerInnen fürchten, dass der Social Media-Riese seine große Datenmacht missbrauchen und das Wissen über Einkaufsgewohnheiten der Nutzenden für personalisierte Werbung und Datenhandel verwenden wird.

Des Weiteren wird Facebook unterstellt, mit der Verwendung der Blockchain-Technologie von dem Bitcoin-Hype profitieren zu wollen, wobei Libra gegen das eigentliche Ziel einer Kryptowährung, nämlich eine dezentrale Währung zu schaffen, verstößt.

Derzeit wird Facebooks Digitalwährung einer Prüfung unterzogen. Es gab aber bereits so viel Widerstand von Regierungen und Aufsichtsbehörden, dass Facebook seine Investierenden bereits gewarnt hat, dass es möglich ist, dass die Währung niemals auf den Markt komme.

In den vergangenen Jahren hat sich also viel in der Finanzwelt getan. Auch wenn sich Kryptowährungen bereits einer großen Beliebtheit erfreuen, sind sie aktuell noch keine Konkurrenz für herkömmliche Währungen. Wie dies in Zukunft aussehen wird und ob Libra zu einer Weltwährung emporsteigt, bleibt äußerst offen und spekulativ. Auch wir von we {code} it werden die weitere Entwicklung in der Finanzwelt gespannt beobachten.

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Super informativer und spannender Artikel 👍


Die Autorin beschreibt gut verständlich das System der Kryptowährungen und das darauf fußende Projekt von Facebook. Bei allen tatsächlichen oder vermeintlichen Vorteilen dieser digitalen Zahlungsmittel wird einem zugleich die darin steckende Gefährlichkeit bewusst:
Ein wirtschaftliches Leistungsaustausch- und Zahlungssystem ohne jegliche überstaatliche, staatliche oder unabhängige Kontrolle.
Dies kann nur Unbehagen auslösen. Der Artikel trägt hier sehr zur Aufklärung bei.